
Ralf Pötter
24. Aug. 2026
Kurzfristig führt KI zu mehr Einstellungen
Wir haben den Beitrag im Springer Professional zum Thema „Kurzfristig führt KI zu mehr Einstellungen“ mit großem Interesse gelesen. Ralf Pötter hat dazu folgenden Standpunkt:
Der Artikel beschreibt ein Phänomen, das wir aktuell in vielen Branchen beobachten: KI führt zunächst zu mehr Personal, nicht zu weniger.
Das mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. Tatsächlich ist es aber ein logischer Schritt beim Umbau der Organisation. KI trifft zunächst auf bestehende Strukturen. Dadurch entstehen neue Rollen, bevor sich Effizienzgewinne realisieren.
Der eigentliche Hebel von KI liegt in der Integration in Prozesse. Genau hier sehen wir in der Praxis das größte Problem. Viele Institute setzen KI noch als Assistenzsystem ein und erzielen damit spürbare Entlastungseffekte im Alltag. Das ist wichtig, aber gleichzeitig bleibt der strukturelle Effekt begrenzt.
Wie weit die Potenziale auseinanderliegen, zeigt der Blick in die unterschiedlichen Bereiche: rund 55 Prozent Substitutionspotenzial in der Marktfolge Passiv, gerade einmal 15 Prozent im Firmenkundengeschäft.
Hinzu kommt ein zweiter, oft unterschätzter Faktor: In den nächsten fünf Jahren scheiden mehr als 50.000 Beschäftigte der Sparkassen altersbedingt aus. Ohne KI wären dafür nach unserer Modellrechnung mehr als 80.000 Neueinstellungen nötig, mit breitem KI-Einsatz nur bis 40.000.
KI wird die Lücke also nicht vollständig schließen, aber sie wird darüber entscheiden, ob die verbleibenden Kapazitäten ausreichend produktiv eingesetzt werden.
Damit verschiebt sich die eigentliche Fragestellung: Nicht „führt KI zu mehr oder weniger Personal?“, sondern: „Wie verändert KI die Wertschöpfung und ist die Sparkasse darauf vorbereitet?“
Erfolgreiche Häuser nutzen das Zeitfenster. Sie bauen Kompetenzen auf, integrieren KI schrittweise in die Fachprozesse und entwickeln ein klares Zielbild für die zukünftige Organisation. Der kurzfristige Personalaufbau ist der Preis für die Effizienzgewinne danach. Wer die neuen Rollen jetzt besetzt, hat 2028 die Strukturen, die andere dann erst aufbauen müssen.
Die Kernfrage für jeden Vorstand: Ist die Personalplanung mit dem demografischen Zeitfenster und der KI-Kurve synchronisiert?

